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Wissen was der Kollege verdient?

Mehr Mut zur Transparenz in Vergütungssystemen

Über Geld und Gehalt spricht man neuerdings. Viele Arbeitnehmer erzählen heute freimütig, was sie verdienen. Immer mehr Unternehmen machen ihre Vergütungssysteme transparent – und profitieren davon. Warum ist das so? Und welche konkreten Vorteile bietet das?

Ein Vergütungsmodell spiegelt die Unternehmenskultur wider, und leistungsgerechte, individuelle Entlohnung vermittelt Wertschätzung für die spezifische Leistung eines Mitarbeiters. Voraussetzung für die gerechte Bezahlung? Ein transparent und nachvollziehbar gestaltetes Vergütungssystem.

Warum der Ruf nach Transparenz immer lauter wird, ist nachvollziehbar. Erleben wir doch gerade einen Aufschwung digitaler Entwicklungen, mit denen zwangsläufig eine erhöhte Transparenz, auch in Gehaltsfragen einhergeht.

Millennials sind offener

Das Internet macht Informationen überall und jederzeit verfügbar. Persönliche Daten über Soziale Medien zu teilen, ist für die Millennials, die Gruppe der heute 18- bis 36-Jährigen eine Selbstverständlichkeit. Ihre Mentalität des Teilens prägt zunehmend auch den Umgang mit dem Thema Geld.

Das belegt eine Studie der Princeton Survey Research Associates International (PSRAI) vom September 2017. Danach sprechen nur 41% der Babyboomer unter den Arbeitnehmern, also der heute über 53-Jährigen mit ihren Familien offen über ihre Gehälter. Gerade mal 21% teilen diese Informationen mit ihren Freunden und magere 8% mit ihren Kollegen. Ganz anders die Millennials, also die heute 18 bis 36-Jähringen: Von ihnen lassen 63% ihre Familien, 48% ihre Freunde und 30% ihre Kollegen ohne weiteres wissen, was sie verdienen.

Diese Daten aus den USA lassen sich zwar nicht 1:1 auf Europa übertragen, geben aber dennoch einen Trend an. Auch in Deutschland macht eine wachsende Zahl von Arbeitnehmern über Online-Portale wie Glassdoor, Payscale oder Kununu öffentlich, wieviel welche Tätigkeit bei welchem Unternehmen einbringt. Das bringt Arbeitgeber zuweilen ganz schön in Erklärungsnot. Es macht daher absolut Sinn, auf die Forderung nach mehr Transparenz offensiv zuzugehen. Denn die Vorteile für alle Seiten liegen auf der Hand.

Transparenz bringt auch den Unternehmen etwas

Gegen transparente Vergütungssysteme wird oft mit Datenschutzgründe argumentiert. Darüber hinaus fürchten Führungskräfte Neiddebatten unter ihren Mitarbeitern. Beide Annahmen können relativ leicht entkräftet werden: Es geht nicht darum, dass alle Mitarbeiter auf den Cent erfahren, was ihre Kollegen verdienen. Moderne Unternehmen veröffentlichen in der Regel Gehaltsbänder für vergleichbare Tätigkeiten. So erfahren die Mitarbeiter, wie die Arbeit in ihrer Vergleichsgruppe minimal und maximal vergütet wird.

Auch das Argument der Neiddebatte ist bei genauerem Hinschauen kein Stichhaltiges. So hat beispielsweise im Unternehmen eines unserer mittelständischen Kunden vor der Einführung des transparenten Gehaltsmodells viel Unzufriedenheit geherrscht. Mitarbeiter fühlten sich im Vergleich zu ihren Kollegen ungerecht entlohnt, eben weil sie nichts Genaues wussten. Das hat sich mit der Offenlegung der Stelleneingruppierung sowie der Gehaltsbänder geändert. Das Betriebsklima hat sich ganz klar verbessert.

Die Offenheit zahlt sich auch in anderer Hinsicht aus: Jeder Mitarbeiter erhält eine klare Perspektive, was die Entwicklung seines Gehalts und seiner Karriere betrifft. Das Unternehmen wiederum erzeugt bei seinen Beschäftigten Vertrauen, wenn es auf gerechte Vergütungsstrukturen hinweisen kann. Führungskräfte etwa können mit Mitgliedern ihrer Teams offener über ihre Entwicklungspotenziale sprechen.

„New Pay“

Im Rahmen von „New Pay“ wird die Vergütung individueller – und damit wertschätzender –gestaltet, und häufig werden zusätzliche Entgeltelemente als Wahlleistung angeboten. Gut geeignet dafür ist z.B. eine Mobilitätszulage. Die Mitarbeiter können wählen, ob sie ein Job-Ticket für den ÖPNV, ein e-Bike oder gar einen Firmenwagen damit finanzieren möchten. Alternativ kann so eine Zulage auch einfach ausgezahlt werden.

All das muss natürlich gründlich geplant, an die jeweiligen Gegebenheiten angepasst sowie professionell und zum geeigneten Zeitpunkt kommuniziert werden. Denn trotz aller Vorteile bleiben offene Vergütungsmodelle immer ein sensibles Thema. Nach Unternehmenszukäufen etwa können die Strukturen so heterogen sein, dass eine sofortige, komplette Transparenz Mitarbeiter eher irritieren, wenn nicht gar demotivieren. In solch einer Situation empfiehlt es sich, zunächst ein homogenes Vergütungssystem zu schaffen und den Grad seiner Transparenz schrittweise zu erhöhen.

In jedem Fall lohnt es sich, die Dinge intern proaktiv zu regeln. Letztlich kann ein Unternehmen, das wettbewerbsfähige Gehälter zahlt und die Entwicklung seiner Mitarbeiter fördern will, durch nachvollziehbare Gehaltsmodelle nur gewinnen.

 

Der Autor: Niko Lymberopoulos

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